Der unsichtbare Vorteil – Wie KI Streitkräften zu nie dagewesener Schlagkraft verhilft

Bekanntermaßen beschleunigen sich militärische Entwicklungen während bewaffneter Konflikte immens, wohingegen Waffentechnologien in Friedenszeiten kaum Sprünge machen. Ein Blick in die Historie verdeutlicht das. Waren 1939 noch angreifende Infanterieverbände, flankiert durch leicht-gepanzerte Kräfte en vogue, fielen 1945 US-Atombomben auf Japan, deutsche Langstreckenraketen trafen London und schwere Kampfpanzer prägten die Ostfront. All diese Innovationssprünge fanden in gerade einmal sechs Jahren statt. Ebenfalls bereits seit über vier Jahren hält der Krieg in der Ukraine an. Die Weiterentwicklung auf die Gefechtsführung ist dabei ähnlich rasant vonstatten gegangen. Dieses Mal heißen die Treiber allerdings Künstliche Intelligenz und autonome Drohnen. Wie KI-gestützte Wirkmittel und Drohnen das Gefechtsfeld bereits heute verändern, lesen Sie in „Drohnenkrieg – Wie das gläserne Gefechtsfeld die Todeszone verändert“. Dieser Artikel beleuchtet einen anderen Blickwinkel: Wie KI abseits autonomer Waffensysteme Entscheidungsfindung, Lagebild, Täuschung und Ausbildung in den Streitkräften verändert.

Inhalt:

Unsichtbar für Radare

Wohingegen der Einsatz von KI zur Beschleunigung der Entscheidungsfindung unter Militärs als der Anwendungsfall mit dem größten Potential gilt, sind Zivilisten meist dadurch zu beeindrucken, dass Wirkmittel automatisiert ins Ziel gelenkt werden können. Weniger im öffentlichen Fokus stehen hingegen Anwendungen im Bereich der Täuschung. Dabei sind die wenigen bislang bekannten Fälle nicht minder beeindruckend. 

Ein prominentes Beispiel ist das aus Israel stammende System X-Guard, welches der französische Kampfflugzeughersteller Dassault in seinem Mehrzweckkampfflugzeug Rafale zum Einsatz bringt. Beim X-Guard-System handelt es sich um eine 30 kg schwere Boje, die ca. 100 Meter hinter dem Flugzeug hergezogen wird und die Radarsignatur des Flugzeugs imitiert. Auf diese Weise werden Flugabwehrraketen irritiert und verfehlen das eigentlich anvisierte Ziel.¹ Zu einer breiteren Bekanntheit gelangte das System im Zuge der ‘Operation Sindoor’ im Konflikt zwischen Pakistan und Indien im Mai 2025. Die pakistanische Luftwaffe meldete dabei fälschlicherweise mehrere Abschüsse indischer Rafale-Jets. Tatsächlich erlagen die Pakistaner jedoch der technologischen Täuschung und schossen während des Konflikts keinen einzigen dieser in Frankreich produzierten Kampfflugzeuge der neuesten Generation ab.

Ein Google Maps für das Gefecht

Aber auch im Bereich der Lagedarstellung und Lagefeststellung ergeben sich durch den Einsatz künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten. Allen voran ist hier das ukrainische System DELTA zu nennen. Dieses Battle Management System kombiniert KI-gestützt Daten der eingesetzten Aufklärungskräfte, Meldungen ziviler Akteure, nachrichtendienstliche Erkenntnisse, Drohnenaufnahmen, sowie Sensor- und Satellitendaten. All das funktioniert in Echtzeit in einer Cloud. In einer Google-Maps-ähnlichen Darstellung erfassen die ukrainischen Streitkräfte so ca. 1.500 Ziele täglich, was zu einer signifikanten Verkürzung der Kill Chain führt. 

In Deutschland ist das ähnlich gelagerte System Uranos entwickelt worden, dieses soll die Panzerbrigade 45 “Litauen” als erster Heeresverband erhalten. Allerdings ist für einen effektiven Einsatz solcher Systeme auch eine Änderung der grundlegenden Mentalität der Militärs vonnöten. In westlichen Armeen wandern Informationen von der Front linear nach oben und werden dann von der Brigade- oder Divisionsebene horizontal zur anderen weitergegeben, wo die Information dann wieder bis zu den eingesetzten Truppenteilen am vorderen Rand der Verteidigung nach unten durchgegeben wird. In der Ukraine wird hingegen wesentlich offener mit Informationen umgegangen. Diese werden bereits auf unteren Ebenen auch horizontal geteilt. Dieser freie Informationsfluss hat sich an der Front bewährt, widerstrebt aber diametral dem Denken, welches die NATO über Jahrzehnte geprägt hat und Geheimhaltung höher priorisiert als den freien Informationsfluss, deren Vorteil vor allem in der Reaktionsgeschwindigkeit zu finden ist.²

Abb. 1: Künstliche Intelligenz ermöglicht ein nahezu transparentes Gefechtsfeld und verbessert die Möglichkeiten der Lagedarstellung immens. 

©Bundeswehr/Tom Twardy

Den vielversprechendsten Ansatz für einen KI-gestützten Gefechtsstand, der mit DELTA vergleichbar wäre, aber auch das europäische Gegenstück zum umstrittenen US-System Palantir darstellen könnte (mehr zu Palantir finden Sie hier), kommt aus dem Hause Airbus Defence and Space und hört auf den Namen KITCH (KI für Taktik in Simulationssystemen). Die auf geschützten lokalen Bundeswehr-Servern betriebene Anwendung greift hierbei auf mehrere Open Source LLMs zurück, u.a. Gemma, Mistral und Qwen. Mittels RAG (Retrieval Augmented Generation) wird auf Grundlagendokumente, u.a. der NATO oder des Taktikzentrums des Heeres zugegriffen. Multi-Agents, die für unterschiedliche Stufen des Führungsprozesses zuständig sind arbeiten dabei simultan. Über eine Chat-Oberfläche kann der Nutzer das Modell wiederum bedienen. Die Entscheidung, ob das System Bundeswehr-weit ausgerollt wird, muss jedoch politisch erst noch entschieden werden.

Datensouveränität – das VS-konforme KI-System

Das größte Problem der KI-Nutzung in Streitkräften erinnert dabei entfernt an die Situation in vielen europäischen Unternehmen. Sensible Daten können aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres in jedes beliebige System eingespeist werden. Sind es im Zivilen häufig Entwicklungsdaten oder personenbezogene Daten, die einem bestimmten Schutzlevel unterliegen, ist dies beim Militär ungleich komplexer, da die geheimdienstlich klassifizierten Informationen den Schutzgrad personenbezogener Daten weit übersteigen. Es erklärt sich von selbst, dass solch sensible Informationen nicht nur nicht auf ausländischen Servern landen dürfen, sondern dass auch inländische Verarbeiter nicht zulässig sind, sondern nur eigens gehostete Server in Frage kommen, die keinerlei Verbindung nach draußen haben. Dieses Vorgehen nennt man ‘air-gapped’. Hierbei wird eine KI-Anwendung auf vom Internet getrennte Server geladen und nur mit speziellen Informationen versorgt. Die Anwendung läuft auf hauseigenen Servern. Folglich kommen auch nur Open Source Modelle in Frage, wie bspw. Llama 3 oder Mistral.  

Der schematische Aufbau eines Systems, das die Schutzklasse von Streitkräften erfüllt ist im nachfolgenden Schaubild dargestellt.

Abb. 2: Schematische Darstellung eines fiktiven KI-Systems, welches auch geeignet wäre, klassifizierte Informationen zu verarbeiten. 

©Sebastian Schulze

Auf Servern des Verteidigungsministeriums werden ein oder mehrere Open-Source-Modelle gehostet, diese Server müssen über leistungsstarke Rechenkapazität in Form von ausreichend vielen High-Performance-Chips, bspw. NVIDIA B300 verfügen und von der Außenwelt (dem Internet) abgekapselt sein. Eine Vektordatenbank beinhaltet alle notwendigen Dokumente als abrufbarer Wissensspeicher (z.B. die Unterrichtsmappe Taktik UMT), auf den die Modelle mittels RAG zugreifen können. Parallel arbeiten verschiedene Modelle an unterschiedlichen Stufen des Führungsprozesses, z.B. der Beurteilung der Geländefaktoren oder der feindlichen Kräfte, über eine Chat-Oberfläche kann der Bediener mit dem System interagieren. Es versteht sich, dass ein solches System ungleich komplexer aufzubauen ist, als in den meisten Unternehmen üblich und erst mehrere Freigaben durch nationale und internationale Sicherheitsbehörden durchlaufen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bedienpersonal nicht nur technisch, sondern auch taktisch geschult werden muss, um Halluzinationen und logische Fehler frühzeitig zu erkennen.

Mehr als 20 KI-Projekte in der Bundeswehr

Ähnliche, wenn auch weniger komplexe Systeme sind auch bereits aus anderen Szenarien bekannt, so war bereits bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie 2020 das Programm Prometheus im Einsatz, welches KI nutzte, um Agenturmeldungen, Social Media Posts, Polizei und Feuerwehrberichte, aber auch Wetterdaten und Verkehrsmeldungen zu einem einheitlichen Lagebild zu verdichten. Die Software ermöglichte es, über 10.000 Einzelmeldungen auf 50 relevante herunterzubrechen und so den handelnden Akteuren ein genaues Lagebild zu geben.³

Es gibt mehr als 20 weitere KI-Anwendungen, die in unterschiedlichsten Entwicklungsstadien innerhalb der Bundeswehr zum Einsatz kommen, unter anderem errechnet das Programm ‘Daily Space News’ mittels KI Weltraumwettervorhersagen und erstellt Kollisionswarnungen für Satelliten. Yggdrasil und Prisma unterstützen die ABC-Abwehrtruppe beim Aufspüren von chemischen Kampfstoffen, PROcure integriert pharmazeutische Datenbanken, um Beschaffungsvorhaben im Sanitätsdienst zu optimieren und PRADA und Hubitus verbessern die Wartung (Predictive Maintenance) von Großgerät, wie dem Eurofighter.⁴ Alle diese Programme werden durch das CIHBw gefördert. Ebenso die Vorhaben ImageAware und iRec. Hierbei geht es um Systeme, die Fake News bzw. feindliche Desinformationskampagnen im Netz aufspüren sollen.⁵

Das Cyber Innovation Hub (CIHBw) ist ein Bundeswehr-internes Inkubator-Programm, mit dem innovative Ideen gefördert werden. Der Clou liegt darin, dass jeder Angehörige der Bundeswehr Ideen einreichen kann und diese außerhalb der regulären Truppenstruktur geprüft und ggf. gefördert werden.

Die Mutter aller Technologien

Auch wenn für Journalisten und Zivilisten autonome Drohnen und KI-gestützte Waffensysteme am beeindruckendsten wirken, sind die größten Effekte auf die Gefechtsführung allerdings nicht durch Waffensysteme selbst zu erwarten, sondern durch die beschleunigte Entscheidungsfindung. Der ehemalige US-Oberkommandierende General Mark Milley stellt die Bedeutung von KI dabei wie folgt heraus: 

In fact, I’ve referred to it as the „mother of all technology“ sort of thing. The ability to make decisions, the so-called OODA Loop (Observe, Orient, Decide, and Act), allows you to do that faster than your opponent. Oftentimes, not always, but often, it gives you a decisive advantage. […]. Artificial intelligence allows you to absorb massive amounts of complex information very rapidly, to assist humans in their decision-making. Theoretically, you can even program the computers to make the decisions themselves, which would be a whole new world.⁶

Er geht sogar so weit und sagt, dass der Einfluss künstlicher Intelligenz durch die beschleunigte Entscheidungsfindung die größte Veränderung auf die Kriegführung seit der Erfindung der Atombombe sei. Trotz der visuell beeindruckenden Effekte autonomer Waffen, erzeugen diese lediglich Wirkungen, die herkömmliche Systeme heute auch bereits liefern, wohingegen die Verkürzung von Entscheidungen auf Verbandsebene, die heute eine mehrstündige Stabsarbeit umfassen im wahrsten Sinne des Wortes kriegsentscheidend sein können. Sollte es westlichen Akteuren gelingen, Entschlüsse binnen Minuten zu fassen, für die Russen oder Chinesen mehrere Stunden brauchen, verändert das die gesamte geopolitische Gemengelage, andersherum allerdings auch.  

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Das größte Problem in diesem Zusammenhang liegt jedoch auf der Hand. Niemand zweifelt mehr daran, dass AI richtige und fundierte Entscheidungen treffen kann und das in wesentlich schnellerer Zeit als Menschen, aber KI-Ergebnisse sind nach wie vor meist Black Boxes, die nicht nachvollziehbar sind. In zahlreichen Anwendungsfällen trifft KI zwar statistisch häufiger als Menschen richtige Entscheidungen, jedoch kann man nicht nachvollziehen, wie sie auf das Ergebnis kam. 

Dieses Dilemma verdeutlichen zwei staatliche KI-Systeme, die unlängst auch bereits in den USA bzw. Europa, mitunter leidenschaftlich, diskutiert wurden. Einerseits ist hier das COMPAS-System zu nennen, welches in den USA Richtern assistiert, indem es die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern errechnet. Zwar liegt das System statistisch häufiger richtig als menschliche Entscheider, jedoch wurde hier über etwaige rassistische Vorurteile in den Algorithmen diskutiert, nachdem schwarze Verdächtige oft mit höheren Rückfallwahrscheinlichkeiten eingestuft wurden. In Europa führte die albanische Regierung kürzlich eine KI namens DIELLA ein, die Entscheidungen bewusst anstelle von Menschen treffen soll. Sie automatisiert Vergabeverfahren bei Ausschreibungen, um so menschliche Korruption zu bekämpfen. Hintergrund ist, dass Albanien nach wie vor stark von Korruption betroffen ist und die EU hier entsprechende Maßnahmen von dem Land einfordert. Da eine KI weder bestechlich ist, noch Seilschaften unterhält, lag die Entscheidung nahe, sie für die Vergabe staatlicher Aufträge zu nutzen. Dies sind nur zwei Beispiele, wie bereits heute staatliche AI-Systeme (erfolgreich) autonome Entscheidungen treffen, wenngleich die Korrektheit der zugrunde liegenden Daten in beiden Fällen als Make-or-Break-Point bezeichnet werden muss. 

Wie konkret das im militärischen Kontext aussehen kann, zeigt das US-Programm Project Maven, das Pentagon-eigene KI-System zur Objekterkennung, das im Kern genau das leistet, was Milley in seinem oben aufgeführten Zitat beschreibt. 2017 vom Pentagon aufgebaut und 2018 nach dem Rückzug von Google an Palantir übergeben, wertet das inzwischen als ‚Maven Smart System‘ firmierende Flaggschiffprogramm Live-Satelliten- und Drohnenvideos per Computer Vision aus und markiert erkannte Objekte automatisch. Es greift auf über 179 Datenquellen zurück und bindet inzwischen auch Large Language Models (u.a. Anthropics Claude) zur Mustererkennung über tausende Einzeldetektionen hinweg ein. Wie rasant diese Entwicklung ist, verdeutlichen die Zahlen: Beim Einsatz gegen den Iran 2026 wurden über das System binnen 24 Stunden mehr als 1.000 Ziele eingestellt, zehnmal so viele, wie vor Einführung des Systems möglich waren. Das 18. US-Luftlandekorps erreichte damit 2023/24 nach eigenen Angaben das Personal-Leistungsniveau der Operation Iraqi Freedom (2003) mit gerade einmal rund 20 statt vormals 2.000 eingesetzten Soldatinnen und Soldaten. Die LLM-Integration soll die Geschwindigkeit nochmals verfünffachen. 

Der in Deutschland häufig zu hörende Reflex, dass Entscheidungen stets von Menschen getroffen werden müssen, kann zumindest bezweifelt werden, wenn man bedenkt, dass KI-Systeme statistisch weniger Fehler unterlaufen und sie objektiver entscheiden, weil sie keinen Vorurteilen unterliegen, zumindest nicht bei sauberer Datengrundlage. 

Im militärischen Kontext stellt sich jedoch eine weitere Frage, nämlich die der Haftung. Wer haftet bei einer Fehlentscheidung, die ggf. sogar zivile Opfer nach sich zieht? Der jeweilige Kommandeur, der die KI einsetzt? Der Hersteller der Software? Oder schlicht die Regierung des Landes, welches die Anwendung einsetzt? Im Zweifel werden dies künftig Gerichte zu entscheiden haben.

Abb. 3: Ein mobiler Gefechtsstand der Bundeswehr. Hier könnten künftig Entscheidungen durch Künstliche Intelligenz massiv beschleunigt werden.

©Bundeswehr/Maximilian Schulz

Kriegsspiel 2.0

So spannend die Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Predictive Maintenance und integrierte Gefechtsführung sind, so sehr wird auch entscheidend sein, ob der Transfer in den Bereich der Lehre und Ausbildung gelingt. Streitkräfte stehen hier nicht vor grundlegend anderen Herausforderungen als zivile Bildungsträger. Die beispielgebenden Ansätze kommen hier wie so oft aus den USA, wo man das aus dem 19. Jahrhundert bekannte preußische Kriegsspiel in einer modernen Version wiederaufgriff. 

INFO:

Beim Kriegsspiel handelte es sich um ein militärisches Planspiel aus dem 19. Jahrhundert, bei dem zwei Teams gegeneinander antraten und das von einem Schiedsrichter geleitet wurde. Ihm wird die taktische Überlegenheit der Deutschen im siegreichen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zugeschrieben. 

Eine moderne Variante wurde unlängst am US Army War College unter dem Namen ‘Pacific Strategy’ durchgeführt. Hier wurden zwei Teams in einem Szenario beübt, welches den Kampf um die Insel Taiwan abbildete. Zum Einsatz kamen handelsübliche LLMs, die Verlustschätzungen, Ereignistimelines und Battle Damage Assessments ermittelten. Die Teams wiederum gaben detaillierte COAs (Course of action) in der Länge von ca. 1 Din-A4-Seite ab und legten so ihre Entschlüsse fest. Das Planspiel lief so erfolgreich, dass ein KI-Wargaming ab 2027 bei jeder Planungsübung integriert werden soll. Ähnlich positive Erfahrungen machte das US Army Command and General Staff College (CGSC) in Fort Leavenworth, das einen ähnlichen Ansatz verfolgte und besonders die durch KI wesentlich kürzeren Korrekturschleifen hervorhob. Interessant ist auch, dass bei erstgenanntem zunächst die staatliche KI-Anwendung ‘Ask Sage’ genutzt werden sollte und versagte, woraufhin kurzerhand auf marktverfügbare herkömmliche LLMs gewechselt wurde, die einen reibungslosen Ablauf ermöglichten. Wie komplex solche Ansätze sind, zeigt sich aber auch daran, dass die KI vorab mit ca. 128.000 Datenpunkten trainiert werden musste, um entsprechende Ergebnisse zu liefern. Dass dies auch Überraschendes zutage fördern kann, wurde am CGSC deutlich, als die KI sogar Geofaktoren entdeckte, die die Teilnehmenden übersahen.⁷ 

Aber auch abseits des Wargamings, bspw. als digitale Lernbegleiter an Ausbildungsstätten, sind KI-Systeme getestet worden, unter anderem in der Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der Fraunhofer-Gesellschaft. 

Fazit

Die Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz in Streitkräften sind so vielfältig, dass die geschilderten Beispiele in Kürze wohl bereits ergänzt werden müssen. Ebenso ausladend dürften jedoch auch ethische Diskussionen sein, die zumindest in westlichen Demokratien entstehen dürften. Es ist davon auszugehen, dass Autokratien hier weniger Berührungsängste haben werden. Die Frage, inwieweit Deutschland es sich unter der derzeitigen Bedrohungslage erlauben kann, sich lange mit Moraldebatten aufzuhalten, ist jedoch ebenso zu stellen. Eine erneute langwierige ethische Diskussion, wie sie besonders in der SPD über die Anschaffung von Kampfdrohnen geführt wurde, darf es unter diesen Gesichtspunkten nicht erneut geben. Wehrhafte Demokratien dürfen nicht auf die modernen Mittel der Kriegsführung verzichten, sonst geben sie ihre Bürgerinnen und Bürger einer Gefahr preis, die nicht kalkulierbar wäre. 

Wer sich über die oben genannten KI-Anwendungen hinaus für die Wirkung von KI-gestützten Waffensystemen und Drohnen auf das moderne Gefechtsfeld interessiert, dem empfehle ich wärmstens den Artikel “Drohnenkrieg – Wie das gläserne Gefechtsfeld die Todeszone verändert”.

Quellen

¹ Vgl. O.A. (2026) In: Money Control. Online.

² Markus Kaserer (2026): NATO-Einheiten machten keine gute Figur: Peinliche Übung: Ukrainische Soldaten setzen NATO-Truppen schachmatt. In: Südtirol News Online.

³ Vgl. Schulenberg (2021): Heimatschutz durch künstliche Intelligenz – die Bundeswehr auf dem Weg in die Zukunft. In: Bundeswehr.de. Online.

⁴ Vgl. Timo Kather (2026): Die Zukunft ist jetzt. In: Y – Neue Dimension Data. 

⁵ Vgl. Timo Kather (2026): KI-Projekte der Bundeswehr: Innovation im Einsatz. In: Bundeswehr.de. Online.

⁶ AI in the Military: Gen. Milley on the Future of Warfare“, 60 Minutes (CBS News), ausgestrahlt am 08.10.2023. Interview von Norah O’Donnell mit General Mark Milley. Online.

⁷ Vgl. Spahr et. al. (2025): Back to the Basics in wargaming – with a little help from AI. In: arroom.armywarcollege.edu. Online. 

Bildnachweis (Header): © Bundeswehr/Maximilian Schulz

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Als Keynote-Speaker, Reserveoffizier und KI-Experte verbinde ich militärische Praxis mit digitalem Know-how und bringe komplexe Themen verständlich auf den Punkt.

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Autor

Sebastian Schulze

Sebastian Schulze ist ein gefragter Keynote Speaker und Experte für die Themen Künstliche Intelligenz, Digitale Transformation und Tech. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung macht er komplexe Technologien für Unternehmen verständlich. Seine Expertise im Marketing hat Unternehmen zu beeindruckenden Umsatzsteigerungen verholfen. Er inspiriert sein Publikum mit fundiertem Wissen und praxisnahen Strategien. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist er als Reserveoffizier bei der Bundeswehr tätig und forscht dort zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Eintscheidungsfindung.

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